Gemeinsam stark – Vertrauen, Verantwortung und Teamfähigkeit in der Klasse fördern

Die Unterrichtseinheit für das Fach Ethik der Klassen 5–6 vermittelt zentrale soziale Kompetenzen wie Verantwortung, Kooperation und Verlässlichkeit. Mit Geschichten, praktischen Übungen und gemeinsamen Aufgaben lernen die Schülerinnen und Schüler, was Gemeinschaft stärkt, reflektieren Konsequenzen ihres Handelns und übernehmen Verantwortung für sich und andere. Anhand der Metapher des Gerüstbaus erfahren sie, wie Vertrauen entsteht und wie jeder Beitrag zählt, damit eine Gruppe tragfähig bleibt.

Unterrichtseinheit
  • Religion / Ethik
  • Sekundarstufe I
  • 3-4 Unterrichtsstunden
  • Arbeitsblatt, Didaktik/Methodik

Beschreibung der Unterrichtseinheit

Die Unterrichtseinheit eröffnet den Schülerinnen und Schülern einen strukturierten Zugang zu den sozialen Grundlagen gelingender Zusammenarbeit und macht erfahrbar, wie Vertrauen und Verantwortung Teamprozesse tragen. Im Mittelpunkt stehen die Fragen, wie Vertrauen entsteht, warum Verantwortung wichtig ist und wie beides dazu beiträgt, dass eine Gruppe auch bei Herausforderungen stabilen Zusammenhalt erlebt – ähnlich wie ein Gerüst, das nur hält, wenn alle Teile sicher miteinander verbunden sind. Die Metapher des Gerüstbaus bietet einen anschaulichen, lebensnahen Zugang, der fachliche Bezüge zum Gerüstbauer-Handwerk herstellt, ohne die Schülerinnen und Schüler zu überfordern.

Die Einheit ist handlungsorientiert aufgebaut und verbindet erzählende, kooperative und reflexive Elemente. Die Lernenden arbeiten mit Geschichten, führen praktische Übungen durch und gestalten gemeinsam Produkte, die ihre eigenen Beiträge zum Zusammenhalt sichtbar machen. In Arbeitsblatt 1 erfahren die Lernenden zunächst, was Vertrauen bedeutet und warum es die Grundlage jedes gelingenden Miteinanders ist. In Arbeitsblatt 2 setzen sie sich anschließend mit Verantwortung auseinander und erleben in einer Challenge, wie jedes Gruppenmitglied verlässlich zum gemeinsamen Erfolg beiträgt. Arbeitsblatt 3 verknüpft schließlich beide Begriffe und ermöglicht den Lernenden, ein gemeinsames „Klassen-Gerüst“ zu gestalten, das als Symbol für eine starke Gemeinschaft dient.

Durch die wiederkehrende Gerüst-Metapher, die abschließenden Reflexionsphasen und den Transfer zum echten Handwerk wird deutlich, wie Vertrauen und Verantwortung in Schule, Alltag und Beruf zusammenwirken. Die Einheit fördert soziale Kompetenzen, stärkt Teamfähigkeit und unterstützt die Entwicklung eines positiven Klassenklimas.

Unterrichtsmaterialien "Gemeinsam stark – Vertrauen, Verantwortung und Teamfähigkeit in der Klasse fördern"

Gesamtdownload

Unterrichtsablauf

Inhalt
Sozial- / Aktionsform

Didaktisch-methodischer Kommentar

Die Unterrichtseinheit greift grundlegende soziale Kompetenzen auf, die für das Lernen und Zusammenleben in der Schule zentral sind. Vertrauen und Verantwortung bilden nicht nur die Basis erfolgreicher Kooperation im schulischen Alltag, sondern sind auch Schlüsselqualifikationen im späteren Berufsleben. Der Bezug zum Gerüstbauer-Handwerk ermöglicht es, abstrakte Werte anschaulich zu vermitteln und zeigt gleichzeitig, wie wichtig zuverlässiges Teamwork in realen Arbeitsprozessen ist.

Die Lernenden bringen erste Erfahrungen mit Zusammenarbeit, Freundschaft und Verlässlichkeit aus ihrem Alltag mit. Gleichzeitig sind Begriffe wie "Vertrauen" oder "Verantwortung" oft unscharf besetzt und werden im kindlichen Sprachgebrauch uneinheitlich verwendet. Ziel der Einheit ist daher, eine präzise und erfahrungsbezogene Begriffsbildung, die durch anschauliche Situationen und konkrete Handlungsaufgaben unterstützt wird.

Die Gerüstbau-Metapher fungiert als strukturgebendes didaktisches Prinzip. Sie ermöglicht es den Lernenden, abstrakte soziale Prozesse anhand eines einprägsamen Bildes zu verstehen: Ein Gerüst steht nur dann sicher, wenn alle Teile zuverlässig miteinander verbunden sind – ebenso wie ein Team nur durch Vertrauen, Verantwortung und Gewissenhaftigkeit stabil bleibt. Die Verbindung zum Gerüstbauer-Handwerk bietet nicht nur einen lebensnahen Bezug, sondern macht deutlich, wie diese Werte in einem realen Berufsfeld angewendet werden.

Die Einheit folgt einem klaren didaktischen Aufbau mit sukzessiver Steigerung:

Arbeitsblatt 1 setzt auf eine narrative Rahmung, die den Lernenden eine identifikationsfähige Situation bietet. Die Geschichte führt nachvollziehbar vor Augen, wie fehlende Absprache ein gemeinsames Ziel scheitern lässt und wie durch Kooperation Vertrauen wachsen kann. Die methodische Entscheidung für eine Geschichte basiert auf dem Prinzip der niedrigschwelligen Problemöffnung, die bereits in der Eingangssituation ein implizites Problem (wackelndes Gerüst) sichtbar macht.

Eine anschließende praktische Übung ("Vertrauensübung mit verbundenen Augen") ermöglicht learning by doing: Die Lernenden spüren körperlich, wie es ist, auf andere angewiesen zu sein. Die Reflexionsphase stellt die Brücke zwischen subjektiver Erfahrung und Übertrag auf den Gerüstbau bzw. Alltag her. Damit wird Vertrauen nicht nur erklärt, sondern erlebt, reflektiert und sprachlich gefasst.

Arbeitsblatt 2 erweitert das Lernfeld, indem die Lernenden den Begriff Verantwortung konkretisieren und auf ihre eigenen Alltagssituationen beziehen. Durch das Plakat/Poster "Verantwortung heißt für uns …" wird ein erster Schritt zur Begriffsbildung durch Strukturierung vollzogen.

Die anschließende Gerüstbau-Challenge hat eine klar handlungsorientierte Funktion:

  • Die Lernenden erleben Verantwortungsübernahme in klar definierten Rollen.
  • Der Bezug zur Gerüstbau-Kolonne macht deutlich, dass erfolgreiche Arbeitsteilung Gewissenhaftigkeit und Absprache erfordert.
  • Die Methode fördert die Fähigkeit zur Selbst- und Fremdwahrnehmung, da die Lernenden ihre Rolle nicht nur ausführen, sondern anschließend reflektieren.

Die Reflexionsaufträge sind so gestaltet, dass die Lernenden ihre Beobachtungen aus der Challenge auf die Leitfrage des Arbeitsblattes sowie auf ihre alltäglichen Teamsituationen rückbinden.

Arbeitsblatt 3 führt die beiden bisherigen Schwerpunkte zusammen und fokussiert die Leitidee des Teamworks. Der Autorentext liefert Hintergrundwissen zur Teamarbeit im Gerüstbau und stellt damit eine konzeptionelle Verknüpfung der vorherigen Lerninhalte her.

Die kreative Gestaltungsaufgabe ("Klassengerüst") erfüllt mehrere didaktische Funktionen:

  • Lernende reflektieren ihren eigenen Beitrag zur Gemeinschaft (Selbstwirksamkeit).
  • Sie erleben durch das Zusammenfügen der Gerüstteile, wie viele individuelle Beiträge ein gemeinsames Ganzes ergeben (symbolische Verdichtung).
  • Die entstandene Collage dient als sichtbares Produkt der Einheit und ermöglicht nachhaltige Erinnerung.

Die abschließende Auswertung verknüpft alle drei Begriffe in einer integrativen Diskussion, die darauf abzielt, Transferleistungen zu erbringen: "Wie schaffen wir es, dass unser Gerüst stark bleibt?"

Für die Vorbereitung empfiehlt es sich, Materialien zu den an die Gerüstbau-Metapher anknüpfenden Bastelarbeiten (Gerüstbau-Challenge und Collagieren des Klassengerüstes) bereitzulegen sowie ausreichend Zeit für Reflexionsgespräche einzuplanen. Ein strukturierter Ablauf und klare Aufgabenverteilung tragen wesentlich zum Gelingen der kooperativen Arbeitsphasen bei.

Vermittelte Kompetenzen

Fachkompetenz

Die Schülerinnen und Schüler

  • erklären die Begriffe Vertrauen, Verantwortung und Teamwork in eigenen Worten und setzen sie zueinander in Beziehung.
  • erkennen anhand der Gerüst-Metapher, wie soziale Prozesse das Gelingen gemeinsamer Aufgaben beeinflussen.  
  • erschließen sich mithilfe konkreter Beispiele aus ihrem schulischen und individuellen Alltag Erkenntnisse über die Funktion von Vertrauen und Verantwortung.

Medienkompetenz

Die Schülerinnen und Schüler

  • nutzen bereitgestellte Medien (Schaubilder und Texte) zur Informationsgewinnung und zur Unterstützung ihrer Gruppenaufgaben.
  • reflektieren mithilfe visueller Darstellungen (Gerüstbauer-Rollen-Schaubild, Klassen-Gerüst) ihr eigenes Handeln und das Zusammenarbeiten in der Gruppe.
  • gestalten einfache Produkte (Plakat, Collage) zur Darstellung gemeinsamer Ergebnisse und kommunizieren diese verständlich gegenüber der Klasse.

Sozialkompetenz

Die Schülerinnen und Schüler

  • übernehmen in Gruppenarbeit unterschiedliche Rollen und verstehen, wie individuelle Beiträge zum gemeinsamen Erfolg beitragen.
  • üben Empathie und Rücksichtnahme, indem sie anderen zuhören, Vertrauen aufbauen und Herausforderungen gemeinsam meistern.

Portalanbieter


Kooperationspartner


Anbieter der Unterrichtseinheit

Bundesinnung Gerüstbau

Auszeichnungen


Autor

Portrait von Marcus Gaidetzka
Marcus Gaidetzka

Nach Abschluss seines Lehramtsstudiums an der Universität Freiburg unterrichtete Marcus Gaidetzka die Fächer Geschichte, Philosophie/Ethik und Politik/Wirtschaft an verschiedenen Schularten in Baden-Württemberg und war als Akademischer Mitarbeiter an der Pädagogische Hochschule Weingarten im Projekt "Teacher Education goes Digital" der Qualitätsoffensive Lehrerbildung tätig. Aktuell ist er Wissenschaftlicher Mitarbeiter für Fachdidaktik des Unterrichtsfaches Pädagogik an der Universität zu Köln; daneben nimmt er Lehraufträge im Fach Geschichte an den Universitäten Köln und Basel sowie der Pädagogische Hochschule Freiburg wahr.