Im Zuge der Globalisierung verändern sich Arbeitsmärkte grundlegend. Unternehmen stehen im internationalen Wettbewerb um Aufträge, Kosten und Fachkräfte, während Arbeitskräfte ihre Qualifikationen zunehmend grenzüberschreitend einsetzen können. Dadurch entstehen Chancen, aber auch Herausforderungen für Beschäftigung und Mobilität. In Europa prägen unterschiedliche nationale Rahmenbedingungen – etwa Ausbildungssysteme, Arbeitskosten und rechtliche Vorgaben – sowohl die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen als auch die Arbeitsbedingungen. Die Unterrichtseinheit verdeutlicht, dass globale Arbeitsmärkte konkrete Auswirkungen auf Betriebe, Berufe und individuelle Chancen haben. Im Fokus steht der europäische Bau- und Gerüstbausektor als Beispiel für diese Dynamik. Die Lernenden analysieren Merkmale internationaler Arbeitsmärkte sowie Unterschiede bei Löhnen, Arbeitsbedingungen und Qualifikationen. Zudem untersuchen sie, wie sich diese Unterschiede auf Wettbewerb und Unternehmensstrategien auswirken. Chancen wie Spezialisierung, Qualität und Innovation werden aufgezeigt. Beispiele aus Deutschland, Rumänien und Norwegen verdeutlichen die Auswirkungen auf den Wettbewerb. Abschließend reflektieren die Lernenden Fragen von Fairness und entwickeln eigene Einschätzungen zu Chancen und Risiken der Globalisierung.
Unterrichtseinheit
Globalisierte Arbeitsmärkte – Chancen und Risiken am Beispiel des Gerüstbaus bewerten

- Politik / SoWi
- Sekundarstufe II
- 4 Unterrichtsstunden
- Arbeitsblatt
- 4 Arbeitsmaterialien
Die Unterrichtseinheit für das Fach Politik / Wirtschaft der Klassen 12–13 vermittelt den Schülerinnen und Schülern, welchen Einfluss die Globalisierung auf Arbeitsmärkte im internationalen Vergleich hat und wie nationale Rahmenbedingungen den Wettbewerb beeinflussen. Am Beispiel des Gerüstbauer-Handwerks analysieren sie Arbeitskosten, Arbeitsbedingungen und Qualifikationen im europäischen Vergleich und setzen sich mit Chancen, Risiken und fairen Wettbewerbsbedingungen auseinander.
Beschreibung der Unterrichtseinheit
Unterrichtsablauf
Arbeitsblatt 1
Einstieg
Zitat als Denkanstoß: "Globalisierung ist, wenn der Gerüstbauer aus München auf einer Baustelle in Oslo arbeitet und sein Team aus Polen und der Ukraine kommt."
Mögliche Impulsfragen im Plenum:
- Was bedeutet dieser Satz für die Arbeitswelt?
- Stimmt ihr dieser Aussage zu?
- Welche Berufe fallen euch ein, die besonders von dieser Entwicklung betroffen sein könnten?
Überleitung zur Erarbeitung mit dem Arbeitsblatt 1 und der Frage, was globale Arbeitsmärkte kennzeichnet.
Erarbeitung 1
Die Lernenden lesen den Autorentext zu Arbeitsblatt 1 "Internationale Arbeitsmärkte und ihre Dynamik". Anschließend bearbeiten sie die Aufgaben 1 und 2 und erarbeiten sich ein Grundverständnis zu den Merkmalen globalisierter Arbeitsmärkte (z. B. Mobilität, Standardisierung, Wettbewerb, Vernetzung).
Erarbeitung 2
Nach der Erarbeitung der Merkmale globalisierter Arbeitsmärkte befassen sich die Lernenden mit den Herausforderungen und leisten so einen Transfer des Gelernten auf ein konkretes Beispiel (hier Gerüstbau-Handwerk, siehe Aufgaben 3 und 4).
Sicherung
Besprechung der Ergebnisse im Plenum
Erarbeitung 3
Die Lernenden erörtern, ob die Anforderungen für die Anerkennung ausländischer Abschlüsse gelockert werden sollte, um Zuwanderung zu erleichtern (siehe Aufgabe 5).
Arbeitsblatt 2
Einstieg
Die Lernenden lesen die Schlagzeile, die auf dem Arbeitsblatt angeführt wird, und benennen mögliche Gründe für einen Wettbewerbsnachteil nationaler Unternehmen im Gerüstbau. Die Informationen werden an der Tafel/ dem Whiteboard gesammelt.
Erarbeitung 1
Die Lernenden lesen zunächst den Informationstext und recherchieren anhand der Internetquellen M1-M3 zur Bearbeitung der Aufgaben 2 und 3 (Eurostat, EURES). Sie erarbeiten Unterschiede im Gerüstbau zwischen DE/RO und analysieren Gründe für Arbeitskosten-Differenzen (Lohn, Sozialabgaben).
Sicherung
Besprechung der Ergebnisse im Plenum.
Vertiefung
Die Lernenden erläutern und beurteilen in Aufgabe 4 und 5 die Auswirkungen auf den Wettbewerb sowie die unterschiedlichen Rahmenbedingungen in Deutschland und Rumänien vor dem Hintergrund des "fairen Wettbewerbs".
Sicherung
Besprechung der Ergebnisse im Plenum.
Reflexion und Sicherung
Aufgabe 6 bildet den Abschluss dieser Sequenz. Im Rahmen einer Erörterung debattieren die Lernenden im Plenum zur Frage: "Sollten Regulierungen innerhalb der EU stärker vereinheitlicht werden?" Ziel ist es das Gelernte anzuwenden und unterschiedliche Sichtweisen zu akzeptieren.
Arbeitsblatt 3 (60 Minuten)
Einstieg
Hinführung zum Fallbeispiel durch die Lehrkraft (s. Teasertext zum Arbeitsblatt 3).
Erarbeitung 1
Die Lernenden lesen die beiden Stellenausschreibungen auf dem Arbeitsblatt und analysieren diese (Aufgabe 1 und 2).
Sicherung
Diskussion der Ergebnisse im Plenum (Vergleich der Stellenausschreibungen und Bedeutung der Sicherheitsnormen).
Erarbeitung 2
Die Lernenden sammeln in Gruppenarbeit Vorteile und Herausforderungen internationaler Stellen. Dabei diskutieren sie, wie weit diese von der persönlichen Situation abhängt (für flexible und mobile Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer oft attraktiv, aber nicht für alle geeignet).
Sicherung
Präsentation und Diskussion der Ergebnisse aus der Gruppenarbeit im Plenum.
Vertiefung1
Die Lernenden erörtern, ob internationale Mobilität im Handwerk zukünftig an Bedeutung gewinnen wird (Aufgabe 4). Ziel ist es das Gelernte anzuwenden und sich vertieft mit der Thematik auseinanderzusetzen.
Binnendifferenzierung / Zusatzaufgabe
Simulation eines Bewerbungsgesprächs
Didaktisch-methodischer Kommentar
Die Unterrichtseinheit ist für den Einsatz in der Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe im Fach Politik und Wirtschaft im Kontext der Themenfelder Globalisierung, Arbeitswelt und internationale Wirtschaftsbeziehungen konzipiert. Sie greift mit dem Thema "Arbeit in der globalisierten Welt" einen zentralen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Transformationsprozess auf, der die Lebens- und Berufschancen der Schülerinnen und Schüler unmittelbar betrifft.
Ziel der Unterrichtseinheit ist es, die Funktionsweise globalisierter Arbeitsmärkte verständlich zu machen und deren Auswirkungen auf Unternehmen, Beschäftigte und nationale Volkswirtschaften zu verdeutlichen. Dabei wird herausgearbeitet, dass Arbeit heute zunehmend international organisiert ist und sich Arbeitsbedingungen, Qualifikationsanforderungen sowie Wettbewerbsstrukturen im europäischen und globalen Kontext deutlich unterscheiden können.
Die Einheit verfolgt einen stark lebensweltorientierten Ansatz. Ausgangspunkt sind dabei konkrete berufliche Situationen – etwa internationale Stellenausschreibungen, Unterschiede zwischen nationalen und internationalen Arbeitsmärkten sowie reale Unternehmensbeispiele aus dem europäischen Baugewerbe. Durch diese Fallbezüge wird der abstrakte Begriff der Globalisierung für die Lernenden greifbar und mit ihrer eigenen Zukunfts- und Berufsperspektive verknüpft.
Didaktisch folgt die Einheit dem nachfolgenden Verlauf:
- Zunächst werden grundlegende Merkmale globalisierter Arbeitsmärkte erarbeitet (Mobilität, Standardisierung, Wettbewerb und Vernetzung).
- Anschließend erfolgt die Anwendung auf konkrete Beispiele aus der Berufswelt, insbesondere anhand internationaler Stellenausschreibungen sowie des Vergleichs von Arbeits- und Ausbildungsbedingungen in Deutschland und Rumänien.
- Darauf aufbauend analysieren die Lernenden reale wirtschaftliche Zusammenhänge im europäischen Bau- und Gerüstbausektor und übertragen diese auf die Handlungsebene von Unternehmen.
Im Zentrum steht dabei die Arbeit mit realitätsnahen Materialien und statistischen Daten (z. B. Eurostat- und EURES-Informationen). Die Schülerinnen und Schüler lernen, wirtschaftliche Unterschiede innerhalb Europas zu analysieren, zu erklären und in ihren Auswirkungen auf Wettbewerb, Löhne und Arbeitsbedingungen zu bewerten. Gleichzeitig werden grundlegende Kompetenzen der Daten- und Quellenanalyse geschult, die für die Oberstufe und das Abitur relevant sind.
Darüber hinaus fördert die Unterrichtseinheit gezielt kommunikative und argumentative Kompetenzen durch kooperative Arbeitsformen, Plenumsdiskussionen und eine abschließende strukturierte Bewertung der Globalisierung am Beispiel eines mittelständischen Unternehmens. Die Lernenden werden dabei in die Lage versetzt, wirtschaftliche Zielkonflikte zu erkennen und unterschiedliche Perspektiven (Unternehmen, Beschäftigte, Staaten) einzunehmen und abzuwägen.
Vorkenntnisse zur Europäischen Union oder zu wirtschaftspolitischen Grundlagen sind hilfreich, jedoch nicht zwingend erforderlich, da zentrale Begriffe und Zusammenhänge in den Arbeitsmaterialien systematisch eingeführt und erläutert werden.
Insgesamt ermöglicht die Unterrichtseinheit eine kompetenzorientierte, problemorientierte und schülernahe Auseinandersetzung mit der globalisierten Arbeitswelt. Sie verbindet wirtschaftliche Analysefähigkeit mit gesellschaftlicher Urteilsbildung und leistet damit einen direkten Beitrag zur Vorbereitung auf die Anforderungen der Qualifikationsphase und des Abiturs im Fach Politik und Wirtschaft.
Vermittelte Kompetenzen
Fachkompetenz
Die Schülerinnen und Schüler…
- lernen das Konzept des globalisierten Arbeitsmarktes und dessen zentrale Merkmale kennen.
- lernen grundlegende Fachbegriffe (z. B. Arbeitsmarktglobalisierung, Arbeitsmobilität, Standardisierung, Lohnniveau, Wettbewerbsfähigkeit) und deren Bedeutung kennen.
- verstehen die Funktionsweise international vernetzter Arbeitsmärkte vor dem Hintergrund der Globalisierung.
- erkennen, dass unterschiedliche nationale Rahmenbedingungen (z. B. Löhne, Ausbildungssysteme, Sozialabgaben) die internationale Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und Beschäftigten beeinflussen.
- können Unterschiede zwischen nationalen und internationalen Arbeitsmärkten beschreiben und erklären.
- verstehen, wie globale Arbeitsmarktprozesse Auswirkungen auf Unternehmen, Beschäftigte und Volkswirtschaften haben.
- erkennen den Einfluss globaler wirtschaftlicher Verflechtungen auf individuelle Berufs- und Lebensperspektiven.
- reflektieren die Bedeutung von Qualifikationen, Sprachkenntnissen und Mobilität im globalisierten Arbeitsmarkt.
Medienkompetenz
Die Schülerinnen und Schüler…
- identifizieren relevante Quellen (z. B. Stellenanzeigen, Eurostat- und EURES-Daten).
- arbeiten mit Primär- und Sekundärmaterialien und werten diese aus, analysieren statistische Daten und vergleichen diese strukturiert (z. B. Arbeitskosten und Lohnniveaus).
- fassen Informationen zusammen, strukturieren diese und stellen sie in geeigneter Form dar (z. B. Tabellen, Mindmaps, Pro-/Contra-Übersichten).
- nutzen Informationen zur Analyse realer wirtschaftlicher Zusammenhänge und bereiten diese für Diskussionen und Präsentationen auf.
Sozialkompetenz
Die Schülerinnen und Schüler…
- arbeiten kooperativ in Einzel-, Paar- und Gruppenarbeit, diskutieren fachliche Sachverhalte und entwickeln gemeinsame Lösungsansätze.
- geben begründete Sach- und Werturteile zu wirtschaftlichen Fragestellungen ab, nehmen unterschiedliche Perspektiven ein (z. B. Unternehmen, Beschäftigte, nationale und internationale Akteure), reflektieren wirtschaftliche Zielkonflikte und entwickeln ein differenziertes Urteilsvermögen hinsichtlich Globalisierung und Arbeitswelt.
- präsentieren Ergebnisse und beteiligen sich aktiv an Plenumsdiskussionen.
Unterrichtsmaterial "Arbeitsmärkte im globalen Wettbewerb" zum Download
- Internationale Arbeitsmärkte und ihre Dynamik
Die Lernenden erarbeiten Merkmale globalisierter Arbeitsmärkte und analysieren Chancen und Herausforderungen grenzüberschreitender Beschäftigung.
- Nationale Unterschiede prägen globale Märkte
Anhand des Gerüstbauhandwerks untersuchen die Lernenden Unterschiede zwischen Deutschland und anderen EU-Ländern hinsichtlich Ausbildung, Löhnen, Sozialabgaben und Sicherheitsstandards.
- Fallbeispiel: Gerüstbau im nationalen und internationalen Vergleich
Anhand zweier Stellenausschreibungen (national und international) vergleichen die Lernenden Anforderungen und Arbeitsbedingungen und reflektieren die Bedeutung internationaler Mobilität im Handwerk.
- Erwartungshorizont
Musterlösungen und Lösungsvorschläge zu den Arbeitsblättern 1-3.
- Gesamtdownload
Alle Arbeitsmaterialien der Unterrichtseinheit im PDF-Format können mit diesem ZIP-Ordner heruntergeladen werden.
Verwendete Literatur
- EURES (2026): Arbeitsmarktinformationen Deutschland
(abgerufen am 09.04.2026)
- EURES (2026): Arbeitsmarktinformationen Rumänien
(abgerufe am 09.04.2026)
- Europäische Kommission / Eurostat (2024): Stündliche Arbeitskosten in der EU
(abgerufen am 09.04.2026)
- International Organization for Migration (IOM) (2020): World Migration Report 2020.
(abgerufen am 09.04.2026)
- International Labour Organization (ILO) (2020): Global Employment Trends 2020.
(abgerufen am 09.04.2026)
Weiterführende Linktipps
- bpb.de: Arbeitsmarkt und Beschäftigung
Der Link führt zu einer Übersicht der Bundeszentrale für politische Bildung rund um Arbeitsmarktpolitik, Beschäftigungsformen und aktuelle Entwicklungen in der Arbeitswelt.
- bpb.de: Globalisierung und Arbeitswelt
Das Themenportal der Bundeszentrale für politische Bildung stellt grundlegende Informationen zur Globalisierung, ihren wirtschaftlichen Auswirkungen und insbesondere zur Veränderung der Arbeitswelt bereit.
- eures.europa.eu: European Job Mobility Portal
Der Link führt zum europäischen Mobilitätsportal EURES, das umfassende Informationen zu Arbeitsmärkten, Stellenangeboten und Arbeitsbedingungen in Europa bereitstellt.
- worldbank.org: Employment and Labour Market Indicators
Der Link führt zu einer Datenbank der Weltbank mit internationalen Vergleichsdaten zu Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und Arbeitsmarktentwicklung








